Das gelobte Land

erschienen in Bellevue Heft 1 / 2005

Endlose grüne Hügel, Traumstrände, eine intakte Umwelt und günstige Immobilienpreise – das Land der großen weißen Wolke ist ein attraktiver Standort für einen Zweitwohnsitz. Und mit etwas Geschick bekommt man die permanente Aufenthaltsgenehmigung zum Traumhaus gleich dazu

Neuseeland. Natur pur. 270.534 Quadratkilometer sattes Grün, 18.000 Kilometer Küste, beschauliche Kommunen, 15 Millionen Schafe und gerade mal vier Millionen Einwohner auf einer Fläche, drei Viertel so groß wie Deutschland. Zu Recht wirbt der atomwaffenfreie Doppelinselstaat mit dem Slogan „clean green land“. Ein Paradies für Sportler: Segeln, Surfen, Bungee-Jumping, Bergsteigen, Bush-Walking! Und spätestens seit „Herr der Ringe“ weiß man auch in London und L. A., dass Auckland zu den attraktivsten Städten der südlichen Hemisphäre zählt.

Der Immobilienmarkt boomt entsprechend. Zu den Topinvestoren gehören vor allem Briten, Australier und Amerikaner. Auch immer mehr Deutsche entscheiden sich für ein Winterquartier in Neuseeland – oder bleiben gleich ganz dort. Der Haus- und Grundstückskauf ist unbürokratisch (man benötigt lediglich einen Anwalt, der für etwa 0,5 Prozent des Immobilienwertes die Formalitäten erledigt), die Einwanderungsprozedur für Existenzgründer mit Kapital ist relativ leicht zu bewältigen. Dank günstiger Wechselkurse und einer europäischen Mentalität fühlt man sich am anderen Ende der Welt schnell heimisch.

Insgesamt investierten Ausländer in Neuseeland im Jahr 2003 über 800 Millionen Euro, 13.427 Hektar Land wurden zum Verkauf an Nicht-Neuseeländer freigegeben. 2002 waren es noch 31.060 Hektar gewesen. Dennoch stabilisieren sich die Immobilienpreise nur langsam. Vor allem in und um Auckland (32 Prozent durchschnittliche Preissteigerung von Juni 2003 bis Juni 2004), in Küstengebieten wie Waikato (plus zehn Prozent) oder der Bay of Plenty (plus 36 Prozent) sowie in Touristenhochburgen wie Hawke’s Bay (plus 19 Prozent) sind die Preise explodiert. Ein Berliner Anwalt etwa erwarb vor acht Jahren ein Haus in Wellingtons Vorort Eastbourne für 100.000 Euro, investierte 30.000 Euro in die Instandhaltung und verkaufte es im November 2004 für 220.000 Euro. Heute kostet ein vergleichbares renovierungsbedürftiges Heim mindestens 150.000 Euro.

Die Preise für so genannte Lifestyle Blocks in ländlichen Gegenden sind in den vergangenen vier Jahren um durchschnittlich 63 Prozent gestiegen. Kleiner Trost: Seit Herbst 2004 bahnt sich ein Tableau in den Statistiken an. „Wir erwarten eine Beruhigung der Marktlage für 2005“, sagt Bryan Palmer, der seit über zehn Jahren für das renommierte Maklerunternehmen Harcourts in Marlborough Immobilien vermittelt.

Beliebte Existenzimmobilien sind vor allem Objekte im Hotel- und Gaststätten-gewerbe. Angebote finden sich in den Touristenzentren in und um Auckland oder Wellington sowie in den Weingebieten. Das 1882 erbaute Martinborough Hotel zum Beispiel, das im Zentrum des gleichnamigen 1.500-Einwohner-Städtchens in der Pinot-Noir-Region Wairarapa liegt, verspricht mit 16 Zimmern, einem Bistro sowie dem Pub „Settlers Bar“ gute Einnahmen. Schlechter als dort sollten die Voraussetzungen aber auch nicht sein. Arbeitsintensive, kleine Betriebe erzielen in Relation zur Investitionssumme oft kaum Gewinne. Daher verlangt die Regierung neuerdings von Einwanderern einen konkreten Businessplan über die zu erwartenden Renditen.

Erfolgversprechender sind Weingüter, die auch bei Investoren aus den USA und Australien hoch im Kurs stehen. Einwanderern bieten sich bei entsprechendem Arbeitseinsatz gute Existenzgrundlagen. Der deutsche Winzer Kai Schubert etwa siedelte 1998 in die Pinot-Noir-Region um Martinborough über und freut sich sowohl in der neuen als auch in der alten Heimat über gute Geschäfte.

Gelingt es, eine Marke international zu etablieren, winken satte Erlöse beim Verkauf des Betriebes. Das Weingut Wither Hills mit Weinbergen in Marlborough und Hawke’s Bay ging zum Beispiel für die Rekordsumme von 26 Millionen Euro an den australischen Brauereikonzern Lion Nathan; Italiens Weingigant Antinori bezahlte für 12,7 Hektar produzierende Weingutfläche in Omaka (Marlborough) 1,4 Millionen Euro.

Wer größere Investitionen plant, sollte sich allerdings genau nach den Vorschriften erkundigen. Der Kauf von Land mit einer Größe von bis zu fünf Hektar ist mit einem entsprechenden Kapitalnachweis für Unterhalt oder Geschäftsidee meist problemlos. Bei weitläufigeren Landparzellen oder so genannten sensiblen Lagen wie Halbinseln, ganzen Küstenstrichen oder Buchten streikt jedoch die Overseas Investment Commission (OIC). Denn zu viele Nicht-Neuseeländer haben den Immobilienkauf oder eine große Investition bereits zum Erwerb einer Aufenthaltsgenehmigung genutzt, um dann mit dem Stempel im Pass samt Kapital wieder gen Heimat zu entschwinden. „OIC-Vorschriften lassen sich mit einem Treuhänder leicht umgehen“, verrät ein Insider aus der Maklerszene. Allerdings wird heute schon vor der Erteilung der Aufenthaltsgenehmigung eine Gebühr für den Antrag auf den Start einer Geschäftsidee fällig. Lehnt die OIC den Antrag ab oder wird die Aufenthaltsgenehmigung nicht erteilt, ist die application fee verloren.

Wer als Weinbauer Karriere machen möchte, investiert in den Weinregionen Martinborough, Hawke’s Bay, Central Otago oder Marlborough. Letztere, eine Sauvignon-Region, ist Neuseelands größtes Anbaugebiet. Die Rebflächen haben sich dort seit 2002 um gut 19 Prozent vergrößert und bieten sich als rentable Kapitalanlagen an. Produzierende Flächen werden für 75.000 bis 100.000 Euro pro Hektar gehandelt, für den Weinbau geeignetes unbebautes Land kostet etwa 40.000 Euro pro Hektar, außerhalb des Weinbaugürtels von Marlborough rangieren die Preise für Land zwischen 5.000 und 15.000 Euro pro Hektar.

Mindestens ein halbes Dutzend produzierende Vineyards steht derzeit in Marlborough zum Verkauf. Das Flaggschiff ist der Cellier Le Brun, bekannt für sein angesagtes Restaurant und ausgezeichneten, nach der Champagnermethode hergestellten Sekt.

Das landesweit operierende Unternehmen Bayleys vermittelt in Marlborough neben Weinbauflächen auch so genannte Vineyard Residences, also Häuser im Weingarten (Preise: 250.000 bis 350.000 Euro). Aber Vorsicht: Zum Wohnen in einem produzierenden Weingut gehören auch Schreckschusskanonen zur Traubenreife und Erntetraktoren im Morgengrauen!

Der Aufbau eines Handwerksbetriebs bildet dank des umsatzstarken Immobilienmarktes ebenfalls eine gute Existenzgrundlage. So drückt die OIC bei mangelnden Rücklagen oder lückenhaften Englischkenntnissen schon mal ein Auge zu. Ebenfalls gern gesehen – weil in Neuseeland nicht in ausreichender Zahl vorhanden – sind Lehrer und Ärzte. Und John Welch, zuständig für Business und Tourismus bei Bayleys, rät zur Eröffnung einer Fleischerei oder eines Bäckereibetriebes. „Die steigende Zahl europäischer Zuwanderer und Touristen schafft eine Nachfrage nach entsprechenden Produkten.“

Auch Wohnraum in Marlborough ist begehrt. Der durchschnittliche Preis für ein Haus in der Region um Blenheim liegt bei 125.000 Euro, in der Cloudy Bay (das Kultweingut der Gruppe Veuve Clicquot trägt den Namen der Bucht) steht derzeit nur ein Grundstück zum Verkauf – zum Preis von 400.000 Euro. Die Unterhaltskosten betragen in Blenheim etwa 800 Euro im Jahr. Ein Schnäppchen? „Trotz 2.438 Sonnenstunden im Jahr ist der Wind im Winter nicht zu unterschätzen“, verrät eine Ortsansässige. Und Doppelverglasung, Fensterläden oder gar einen Keller sucht man in dem eleganten Anwesen vergebens.

Dafür ist der potentielle Käufer hier wie auch in anderen Naturschutzgebieten – dazu zählen etwa Coromandel oder die Bay of Island – durch Regierungsprogramme vor Hoteltürmen oder Übervölkerung geschützt. In BreamTail (Northland) sind beispielsweise auf den 439 Hektar Land (davon sind 186 Hektar Naturschutzgebiet) an dem fünf Kilometer langen Küstenstrich zwischen Mangawhai Heads und Langs Beach maximal 41 Häuser zugelassen. Die Preise für ein Grundstück (1,2 bis 24 Hektar): eine Million bis drei Millionen Euro.

Gründstücke am Wasser eröffnen somit hervorragende Investitionsmöglichkeiten. So wechselt ein Strandgrundstück auf der Coromandel-Halbinsel, das 1994 noch für eine halbe Million Euro zu haben war, heute für 1,7 Millionen Euro den Besitzer. Ebenfalls hoch im Kurs stehen „Lifestyle Blocks“ in den Fjorden, etwa in den Marlborough Sounds. Der Clou: Das Ferienhaus, in Neuseeland bekannt als bach (sprich: bätsch), ist oft nur per Schiff oder Hubschrauber zu erreichen. Die Romantik hat aber auch ihre Tücken: Eine Neumöblierung zum Beispiel entpuppt sich wegen der beschränkten Transportmöglichkeiten meist als eine Art „Mission: Impossible“ – weshalb fast alle holiday homes in den Sounds vollständig möbliert angeboten werden.

Wer in der Großstadt leben will, kauft in Neuseelands größter Stadt Auckland, Spekulanten investieren in Wellington. In Auckland, der „City of Sails“, muss man für ein Zwei-Zimmer-Apartment an der Hafen-Amüsiermeile Viaduct mindestens 250.000 Euro einkalkulieren, die residential flats im Hilton-Hotelkomplex am Princess Wharf liegen bei 80.000 Euro für ein der Stadt zugewandtes Studio (40 Quadratmeter) und bei 180.000 bis 230.000 Euro für ein Apartment (57 bis 72 Quadratmeter) mit Blick aufs Wasser. Die Preise für die 24 Reihenhäuser (terraced houses), die ab Juni 2005 im Cove Marina Village in Nordwest-Auckland bezugsfertig sind, beginnen bei 210.000 Euro, die zehn frei stehenden Villen nebenan liegen bei jeweils 350.000 Euro. Eine Stadtwohnung mit zwei Zimmern und knapp 50 Quadratmetern im Central Business District (CBD) gibt es für etwa 90.000 Euro.

Zu den Hot Spots zählen auch die Grundstücke auf Waiheke Island vor Auckland. Strandparzellen werden zu Preisen ab circa einer Million Euro gehandelt, ein von dem Architekten Simon Carnachan entworfenes Haus auf der Klippe ist für zwei Millionen Euro erhältlich.

Anders ist die Lage in Wellington. Das Wohnen in Neuseelands „kleiner“ Hauptstadt (knapp 340.000 Einwohner), wegen der exponierten Lage als „City of Wind“ bekannt, ist deutlich günstiger. Apartments werden derzeit unter anderem in der Anlage „Sanctuary“ und in dem noch im Bau befindlichen Projekt Te Papa Museum angeboten, dessen Fertigstellung für Ende August 2005 vorgesehen ist. Veräußert werden dort zum Beispiel Eigentumswohnungen in der siebten Etage des neuen Anbaus Te Papa Hotel. Das Penthouse mit Wasserblick kostet 620.000 Euro, 92 Quadratmeter mit Blick auf die Stadt sind für 230.000 Euro zu haben – inklusive vollständig ausgestattetem Bad, Teppich, Deckenspots und Alno-Einbauküche mit Geschirrspüler und Kühlschrank.

Auch im Wein- und Touristenzentrum Napier entsteht seit Dezember 2004 ein Apartmentkomplex. Anfang 2006 soll er fertig gestellt sein, die kleinsten der West Quay Apartments Ahuriri messen 55 Quadratmeter. Angeboten wurden sie zu Preisen ab 150.000 Euro. „Allerdings sind sie schon alle weg“, freut sich die Maklerin Sue Willsone (Tremain). Bei Redaktionsschluss waren noch 17 der insgesamt 103 Einheiten zu haben, die Preise für die Drei-Zimmer-Apartments (123 Quadratmeter) mit zwei Bädern und Meerblick liegen zwischen 290.000 und 450.000 Euro. Die Kehrseite der Medaille: Die neuen Preise, die nicht zuletzt von ausländischen Investoren bestimmt werden, stellen viele junge Neuseeländer vor schwere Finanzierungsprobleme. „Durchschnittlich besitzt jeder Kiwi im Leben drei Häuser“, weiß der einst in Berlin und nun in Wellington ansässige Jurist Peter Hahn, der deutschen Einwanderern bei den Formalitäten behilflich ist. „Das erste Haus kauft man mit Anfang 20, mit den Kindern vergrößert man sich dann, und im Alter wechselt man in ein kleineres Heim. Die Preisspirale erschwert jedoch den Erstkauf“, so Hahn. Daher gibt es heutzutage in Neuseeland ebenso viele Hypotheken- wie Immobilienmakler. Bis zu 90 Prozent des Kaufpreises werden bei entsprechenden assets, also gebundenen Kapitalanlagen wie etwa Immobilien oder Autos, finanziert. „Der An- und Verkauf von Immobilien ist für Neuseeländer ein ebenso beliebter wie lukrativer Sport“, verrät Hahn. Und die Mortgage Broker machen gerade für junge Neuseeländer oder Einwanderer Träume wahr – dafür verlangen sie aber auch bis zu 8,4 Prozent Zinsen. The good news: Mit Kapitalanlagen werden in Neuseeland bis zu 6,1 Prozent Rendite erwirtschaftet.

Fazit: Auch das abgeschiedene und bislang mit eher geringer Aufmerksamkeit bedachte Neuseeland profitiert von der guten Stimmung im asiatisch-pazifischen Raum. Für Menschen mit Pioniergeist, Energie und etwas Geld gilt das Reich der zwei Inseln nicht nur wegen seiner Naturschönheiten derzeit als das gelobte Land.

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