Luxor, Max-Brauer-Allee 251

(Ausgehen in Hamburg, Herbst 2006)

Als ich ersts Mahl ins Luxor einkehrte, standen meine Eltern vermutlich kurz vorm Herzinfarkt. Gegen zwei Uhr morgens kamen wir wie so oft aus der benachbarten Grufti-Disko "Kir", sahen aus wie Robert Smith von "The Cure" und fanden uns mit Gin Tonic an der Bar ziemlich cool. Im Gegensatz zum Schuhkarton nebenan hat das Luxor die Jahre überstanden und heute geht auch meine Mutter gern zu Rainer Grießmann ins Restaurant. Dicht stehen die Tische in dem schicht gestylten Lokal wie auf der Terrasse beieinander und so kommt man, wie schon vor zwanzig Jahren, schnell ins Gespräch. Eine junge Frau zu unserer Rechten isst Penne mit Scampi in Chilli-Knoblauch-Öl (6/9 Euro), ein Gericht aus der Rubrik "Classics", die auch Tagliatelle mit gerösteten Mandeln, Frühlingslauch, Rucola, Pecorino-Käse und Tomatenschaum (6,50/9,50 Euro), Entrecôte mit spanischen Kartoffeln und Tomatensalat (17,50 Euro) und den Luxor-Seafoodsalad mit Blue Marlin aus der Schwertfischfamilie, Green Lip-Muscheln aus Neuseeland, Scampi und Buttermakrele (17 Euro) verzeichnet. Wir bestellen zum 2004er Weißburgunder von Kruger-Rumpf (5,50 Euro) und Jever Fun (5 Euro) aus der Abendkarte Carpaccio mit Trüffel-Öl und den Bachsaibling auf Lauchpuffer mit Salat (je neun Euro). Neidisch wandern unsere Blicke zum Nachbartisch, wo man zu den Getränken frisches Weißbrot mit Tomatenpesto knuspert. Die nette Kellnerin verspricht Abhilfe, vergisst unser Anliegen jedoch bis sie gut zwanzig Minuten später mit den Vorspeisen anrückt. Beim Carpaccio scheiden sich die Geister. Herrlich zart die dicken, marinierten Scheiben vom Rind, nur Carpaccio sollte nun mal roh und hauchdünn auf dem Teller landen. Schön fest auch das Fleisch des Bachsaibling, geschmacklich fällt das Gericht jedoch Mangels Salz in die Rubrik "Schonkost". Der Herr am Tisch links verdrückt derweil den letzten Happen seines Butterfisches unter der Bärlauchkruste (17 Euro). Der duftete schon bei der Ankunft gut und steht kurz darauf auch neben meiner Lammhaxe mit grünem Spargel. Zartrosa glänzt deren Fleisch am Knochen, lässt sich jedoch mit dem dazu gelieferten Werkzeug nur schwer lösen. Ein ordentlicher Crianza aus dem Rioja (6,50 Euro) tröstet über das fehlende scharfe Messer hinweg. Das Rharbarber Tirami Su ist aus. Also teilen wir uns ein marmoriertes Schokoladen-Mousse mit Sauerkirschen (je 5,50 Euro), das liebevoll mit drei Klecks Schoko-Sauce dekoriert wurde. Die Völlerei lohnt sich auch finanziell. Ein Menü mit drei oder vier Gängen nach Wahl kostet 27 / 32 Euro, ein Pasta-Menü mit Salat oder Suppe und Dessert gibt es für 18 Euro. Um kurz vor zwei verlassen wir nach zwei Gin Tonic das Lokal. Die kosten heute doppelt so viel wie 1986. Dreizehn Jahre später schrieb Robert Smith "yesterday's gone". Wahrscheinlich hat er Recht.

Maral, Eppendorfer Baum 22

(Ausgehen in Hamburg, Herbst 2006)

Früher brutzelten in der großen Fensterfront am Kanal die Händl vom Wienerwald. Die waren wie die ebenfalls dort gereichten Schnitzel knusprig und lecker - nur leider irgendwann nicht mehr modern. So eröffnete zwischen U-Bahn und Isebekkanal das Maral mit trendiger Fusion-Karte. Zu Sushi, Sashimi & Co gesellen sich asiatische Salate mit Algen und Krebsfleisch (sechs Euro), Rinder Teryaki oder Octopus und Grüner Spargel (je 7 Euro). Die Kraken-Kombi eignet sich vor allem für Kalorienbewusste Genießer. Auch das zum Oreganolastigen Brot gereichte Gurken-Mousse mit frischen Kräutern schlägt nur mäßig auf die Hüften. Der mediterrane Teil der Karte bietet Selleriecreme mit Trüffel-Scampi, Weiße Tomatensuppe (je 4,90) und einen überbackenen Ziegenkäse auf Grill-Gemüse und Rucola (neun Euro). Der ruht auf würzigem Balsamico und macht schon ziemlich satt. Das ist gut so, denn bis zum Hauptgang dauerte es bei unserem Besuch dann noch eine knappe Stunde. Aber die Terrassenplätze gegenüber vom Hip-Friseur Willi Decker bieten jede Menge Unterhaltung. Satte 150 Euro verlangte der aparte Herr tags zuvor von der Gattin meines Begleiters für eine Styling-Session, bei der die Haare im Fönwind gestutzt wurden. Mit einem frischen Grünen Veltliner für elf Euro pro halber Liter spült Kay seinen Frust über die Verschwendungslust des Weibes hinunter. Ich bestelle aus dem Vier-Gänge-Menü für 28 Euro Seeteufel mit Zuckerschoten, der mit 18 Euro in Rechnung gestellt wird. Hoffen wir, dass die schmackhafte Portion größer ausgefallen ist als im Menü. Für meine Begriffe auch ganz hervorragend gelungen die Rinderfiletstreifen auf Currygemüse (18 Euro). Zart, aromatisch und schmackhaft ruhen sie auf dem Wokgemüse. Kay hätte sein Fleisch lieber durchgebraten auf dem Teller gesehen. So ist das wenn man nicht fragt oder sich nicht fragen lässt. Auch am frischen Orangensalat auf Williams Birnen Parfait und Schokoladengeflecht hat der Herr was zu meckern. Ja, es hätte etwas mehr Obstbrand sein können. Aber schließlich hatten wir ja auch noch den Verdejo (Bornos, Spanien, weiß) für fünf Euro das Glas. Die zur U-Bahn gelegene Terrasse hinter dem hellen, freundlichen Lokal mit großer Servicetheke leert sich langsam als die aufmerksame Kellnerin unsere Tischkerze erneuert. Die brennt in einer kleinen Papiertüte und der Maitre des "Maral" war sicher auch schon mal auf Mallorca im Restaurant "Viena". Dessen umtriebiger Betreiber Rainer Fichel jobbte einst in der Eppendorfer "Brücke" als Gastkoch. Dort wie in seinem Lokal auf Mallorca gibt es seitdem große Schnitzel a la Wienerwald. Aber das ist eine andere Geschichte.

dips 'n sticks Reeperbahn, St. Pauli

(Ausgehen in Hamburg, Herbst 2006)

Es ist viertel vor neun und wir freuen uns auf leckere Häppchen mit Blick auf die Reeperbahn. Bis zu dem Moment, in dem die Servicekraft naht. "Die Küche schließt um zehn!", lautet die Begrüßungsformel. Herzlich Willkommen auf St. Pauli.
Freundlicher fällt der Gruß von Geschäftsführer Christoph Wilson auf der Terrasse aus: "Schön, Dich zu sehen! Bist Du in beruflicher Mission unterwegs?" Nach einer klitzekleinen Notlüge a la "unser neues Büro liegt gegenüber" bringt uns der charmante Multigastronom (Schatto Pauli) die Karte. Neben klassischen Sushi-Varianten (Maki und Nigiri ab 2,50 Euro, California Rolls ab 3,50 Euro) werden mediterrane wie orientalische Spezialitäten serviert, die kleine Weinauswahl bietet für diese Anlässe den passenden Tropfen und bei einer Portion Foccatia (leider weich und aus der Mikrowelle mit Oliven für 2,50 Euro) und exzellentem Chilli-Kräuter-Dip (zwei Euro) geben wir unsere Bestellung auf. Die Order geht über ein kleines Gerät per Infrarot in die Küche. Das Thema "last orders" verschwindet dabei auf wundersame Weise vom Tisch. Bei einem frischen Chardonnay Astica von Trapiche aus Argentinien (4,50 Euro) genießen wir die Aussicht von der schönen Terrasse auf den neuen Spielbudenplatz und die alten Nuttenbunker gegenüber. "Einbett- Zweitbett und Dreibettzimmer ab 40 Euro" preist das Schild vorm Hotel "Ambiente". Na dann prost. Die Sushi Variation "Kirschblüte" (15Euro) besteht aus tadellosen Röllchen mit Avocado, Gurke, Lachs, Tunfisch und Gambas. Nur der Teig um die Tempura von Gemüsestangen ist etwas zu dick. Praktisch: Stäbchen und Bestecke stehen im Selbstbedienungs-Gestell auf dem Tisch und wir können die Rohfisch-Happen bequem zerschneiden und genießen, ohne zu Stopfen. Weiter geht's mit gebratener Entenstopfleber auf Rote Beete-Balsamico-Sorbet (8,50 Euro). Die Leber auf der originellen, leckeren Kombination hat einen Tick zu viel Panade abbekommen und wird auf einem Maxi-Löffel gereicht. Die Lamm-Satay-Spießchen mit leckerer Erdnusssauce (4,50 Euro) aus der Rubrik "Asia Food" sind etwas zäh, das "Nippon Tuna", ein mit Limettensaft und Koriander gedämpftes Tatar im viel zu dicken Dim Sum-Gewand (5,50 Euro) entpuppt sich als zusammen gekochte Masse und erinnert an Corned Beef. Besser gefällt das vom Chef empfohlene Rinderfilet namens "Mo Mo Tataki". Dünne, kurz gebratene Scheiben vom Rind ruhen mit Ingwer auf Sprossensalat und Wasabi. Yes! Dazu schmeckt auch die Cuvee aus Raboso, Veronese und Corniva von Masi (6 Euro) und die Creszenz "Jedentag" weiß von Franz Keller (Schwazer Adler, Baden) für 5 Euro. Um elf fragt die Kellnerin, ob es noch was zu trinken sein darf. Wir bestellen zwei Caipirinha (9 Euro) und werden von nun an mit überschwänglicher Kumpelhaftigkeit bedient. Statt der Rechnung bringt die Dame eine große Platte Hüftgold "vom Haus"! Fuchs Wilson weilt zwar längst drüben im Schatto aber hat den Braten natürlich längst gerochen. Also ran an den Speck. Die Dessert-Variation (7,50 Euro) besteht aus Kaktus Sorbet (leckere und fruchtig), Bananenkuchen im Reisblatt (schön klebrig),Schoko-Orangenmousse (fein und leicht), Himbeer-Mousse (yes, yes, yes!), Passionsfrucht, Apfelspalten mit Pistazien und einer anständigen Physalis. Die frischen aber geschmacksneutralen Feigen taugen wie die hübschen Orchideen allerdings nur zur Deko.
Um Mitternacht kommt die Rechnung über 89 Euro - ein fairer Preis für den gelungenen Abend. Kurz darauf erscheint ein Herr im Blaumann, um die wunderschönen, grünen Mosaikfliesen auf den Tischen zu entfernen. Die Tischplatte hätte sich verzogen. Wir ertränken unseren Frust über die angehende Zerstörung der Kunstwerke mit einem Absacker an der Bar im Erdgeschoss. Oben zerschlagen die Jungs die schönen Fliesen und in gut vier Stunden werden sich die Bautrupps über den von der Sommerhitze geschmolzenen Asphalt vor der Tür hermachen. Wir sind gespannt auf das Ergebnis und freuen uns auf einen schönen Herbst mit Blick auf den bis dahin hoffentlich vollständig renovierten Spielbudenplatz.

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