TOTO, Rothenbaumchaussee

(Ausgehen in Hamburg, Herbst 2006)

"Friß oder Stirb" lautet das Motto beim Szeneitaliner im Universitätsviertel - wer eine schöne Terrasse an der Rothenbaumchaussee hat, kann sich das leisten. Eine gute dreiviertel Stunde warten wir bei mittelmäßigem Prosecco (4 Euro) und einer großen Flasche Agua Minerale (4,90 Euro) bei ordentlichem Weißbrot und knusprigem dünnen Fladenbrot auf unsere Vorspeisen. Die gewünschten Calamaretti vom Grill (9,50 Euro) sind leider aus, wie wir nach 20 Minuten Wartezeit erfahren, die Satay-Spieße auf Soya-Sauce mit Sesam entpuppen sich aber als guter da zarter Ersatz. Natürlich hätten wir beim Italiener gern etwas heimischere Kost bestellt, aber das ist eine andere Geschichte. Meiner Freundin schmeckt der Büffelmozzarella mit Tomaten und Basilikum (9,50 Euro) wunderbar, wir haben uns wenigstens drei Jahre nicht gesprochen, und verzeihen dem aalglatten Gigolo, der hier als Kellner engagiert ist, fast alles. "Lupo die Mare" schnarrt er eine gute Stunde später, wir sind bei der zweiten Flasche Pinot Grigio (aus dem Friaul, um 24 Euro und sehr fruchtig) und erwidern sein schmieriges Lächeln ebenso ergeben wie dankbar. Der Fisch ist frisch, köstlich und knusprig gebraten und ich freue mich im Gegensatz zu vielen anderen Gästen, ihn selbst filetieren zu dürfen. Sabine gibt mir von ihren Flusskrebsen auf Tagliatelle nicht einen einzigen ab. Zum Espresso gesellt sich unser gemeinsamer Freund Kay dazu. Er und sein Geschäftspartner haben satte 90 Minuten auf die Hauptgänge gewartet. "Scheiß laden - trotzdem landet man immer wieder hier!". Manchmal bringen Männer die Dinge wirklich auf den Punkt. Auch Kay wird auf Nachtisch und Café verzichtet haben. Unsere Rechnung beläuft sich schon jetzt auf knapp 140 Euro. Am Nachbartisch prosten zwei Eppendorfer Schicksen mit Prosecco. "Ich hab gehört, die Küche hier ist die gleiche wie im Palazzo nebenan!". Das haben wir auch schon gehört. Wenn es stimmt, können wir den Besuch dort wärmstens empfehlen. Das Essen schmeckt und kostet die Hälfte.

Al Campanile, St. Georg

(Ausgehen in Hamburg, Herbst 2006)

Der "Campanile" bezeichnet in Italien einen Glockenturm und in der Tat liegt die Dreieinigkeitskirche nur einige Schritte vom Lokal entfernt. Gerade mal 30 Plätze hat dieses klassische italienische Restaurant und wir sind froh, an diesem frühen Donnerstag Abend ohne Reservierung einen kleinen Tisch neben dem Buffet zu ergattern, auf dem eine appetitliche Präsentation der Vorspeisen lockt. Bereits der Blick in die Weinkarte lässt hoffen: Über 200 Gewächse aus verschiedenen Anbaugebieten verzeichnet das kleine Büchlein, auf dem ein kleines Gemälde prangt. Die Künstlerin ist eine Freundin des Hauses und nutzt das helle, freundliche Lokal mit als Galerie. Wir beginnen den Abend mit frisch gezapftem Radeberger (2,80 Euro) und einem würzigen Weißen aus dem Friaul (4,50 Euro) sowie schmackhaftem Weißbrot, zu dem Oliven gereicht werden. Die blonde Wirtin beschäftigt sich intensiv mit ihren Stammgästen an der kleinen Bar im Eingangsbereich und wer nicht zu diesem Klientel gehört, fühlt sich vor allem zu späterer Stunde leicht vernachlässigt. Die Karte bietet vorwiegend klassische Kost, Spezialität sind die wechselnden frischen Spezialitäten aus dem Mittelmeer. Trotzdem entscheiden wir uns an diesem kühlen Abend für ein schmackhaftes Vitello Tonnato und der Vorspeisenteller mit eingelegten Gemüsen, Mozzarella, feiner Salami und Prosciutto (je acht Euro). Die Zeit bis zum Hauptgang wird lang und so bestellen wir schon mal einen Rotwein aus der Toskana (5,50 Euro) für die Entenbrust. Jetzt hat die Wirtin Zeit für uns und wir freuen uns zu erfahren, dass fast alle Weine auch Glasweise erhältlich sind. Und dann kommt das Lamm. Innen zart rosa, außen mit einer herrlichen Kruste versehen dampft es am Knochen, die Entenbrust überzeugt mit ähnlichen Attributen. Die Stammgäste am Tresen sind bereits beim dritten Grappa und wir hoffen, dass der Herr an der Tür zum kleinen Flur bei der nächsten Runde nicht vom Barhocker rutscht. Zur leckeren Panna Cotta und einer Mascarpone mit Früchten (je neun Euro) bringt die Wirtin zwei doppelte Espresso für stolze 4,40 Euro pro Tässchen. Der Herr Pfarrer von nebenan wird sich das nicht leisten können und wohl auch der Meinung sein, dass man wenigstens bei den Grundnahrungsmitteln die Kirche im Dorf lassen sollte.

Curoe Mio, Rothestraße 38, Altona

(Ausgehen in Hamburg, Herbst 2006)

Sie kennen das: Es ist Samstag, kurz vor 22 Uhr und Sie kreuzen bereits das dritte Mal um das Ottensener Bermuda-Dreieck der Kreuzungen Arnold-, Kepler- und Große Brunnenstraße. Das Objekt der Begierde, in diesem Fall ein sensationeller Italiener, befindet sich in unmittelbarer Nähe, zum Greifen nah, um genau zu sein, nur ein Parkplatz jedoch ist leider nicht in Sicht. Natürlich wissen Sie genau, was zu tun ist. Mit einem kleinen Hinweis auf die Hamburger Gebührenordnung in Sachen Halteverbot überzeigen Sie den Fahrer tapfer eine weitere Runde um den Block zu drehen und erklären sich bereit derweil einen Tisch im lauschigen Garten des Lokals zu bunkern. Um 22 Uhr erwische ich in dem ruhigen kleinen Garten des Cuore Mio zwei Plätze und eine verständnisvolle Servicekraft: Selbstredend nimmt die Küche gern noch eine Bestellung entgegen. Die Wartezeit ohne Geräuschdämpfenden Gesprächspartner fordert allerdings ihren Tribut. Zum offenen Weißen (1/2 Liter für acht Euro) und einem Pelligrino ohne Kohlensäure (5 Euro / halber Liter) trägt der Wind schonungslos einen Monolog vom Nachbartisch in mein Ohr: "Also ich war sechzehn… und meine Hose….ich meine, sie hat mich verlassen wegen meiner Hose…. Und mit Ende 20 - Anfang 30 hatte ich eine echte Lebenskrise, das war wie ein Zwang." Sein Gegenüber, eine Frau Ende 20, Anfang 30, schweigt und blickt verlegen auf ihre roten Beinkleider und den Vorspeisenteller (acht Euro). Den hätte ich auch gern bestellt aber jetzt ist er aus, ebenso wie Limande und Seeteufel (17/12,50 €), die auf der Tageskarte in Form einer Schiefertafel verzeichnet sind. "Also die ewige Kritik meines Vaters! Nie habe ich ihm genügt!" - Ein Stück eingelegtes Gemüse landet im Kies neben dem roten Schlag und weil meine Freundin vermutlich immer noch hilflos mit ihrem Kombi durchs Viertel gurkt bestelle ich für sie Spargel gratiniert mit Mozarella und einmal Vitello Tonnato (je 9 Euro). Fruchtig und süffig begleitet der Sizilianer frisches Weißbrot und Kräuterdip. Die Lady in red sucht vorsichtig nach einer Antwort. Beim zweiten Glas des Sizilianers endlich die Erlösung: Helga hat einen Parkplatz gefunden und erteilt dem Küchenchef seine letzte Mission für den Abend: Entenbrust mit Pilzen (16,50 Euro)! Ich nehme die Calamari vom Grill (16 Euro) und beobachte unauffällig, wie der Psychofall mit einer Hand auf der roten Hose aus dem Garten schlendert. Zart zergeht das Vitello Tonnato auf der Zunge - herrlich! Auf dem grünen Spargel zerläuft eine angenehm übersichtliche Menge Mozzarella und wir bestellen noch etwas Wein. Obwohl wir mit der rosa gebratenen Ente und den kleinen- zarten Calamari fast allein in dem schönen Garten sitzen, gemahnt uns die Wirtin um halb zwölf zur Ruhe. Die Nachbarn! Schweigend genießen wir unseren Espresso und nehmen uns vor, das nächste Mal früher und mit dem Fahrrad zu kommen.

Destino, Milchstraße 25

(Ausgehen in Hamburg, Herbst 2006)

Destino steht im Italienischen für Schicksal. Vielleicht habe ich des deshalb bei meinem Besuch, ohne es zu ahnen, herausgefordert. Mein lieber Kollege Johnannes begrüßt mich herzlich umarmend mit einer Sommergrippe. "Es geht schon wieder" röchelt er über sein stilles Wasser (St. Michaelis, 7 Euro für 0,75 l) und bestellt einen Martini Bianco auf Eis (5,50 Euro). Der klärt die Atemwege für einige Minuten und wir stoßen mit einem Proseco (sechs Euro) bei in Gnocci-Größe mit dreierlei Butter an: Estragon, Paprika und gesalzen. In zehn Jahren brauchen wir für den reibungslosen Verzehr ein Vergrößerungsglas. Die Karte des eleganten Lokals, dessen Fenster sich großflächig zum Geschehen auf der Milchstraße öffnen, können wir ohne Sehhilfe studieren. Sie offeriert vorwiegend Mediterranes. Der marinierte Thunfisch mit einer sehr durchgebratenen Jacobsmuschel und eingelegter Aubergine, Pfeffer und etwas Kaviar (12,50 Euro ) schmeckt gut, fällt aber für nicht in die Rubrik "Offenbarung". Eher langweilig auch der mit Rucola gefüllte Kaninchenrücken, die Archard Pickles entlocken Johannes ein verkrampftes Lächeln a la "Sauer macht Lustig". Fein abgeschmeckt und herrlich zart dagegen das Kalbscarrè auf Selleriemousse mit gebratenem Rucola (19,50 Euro), ebenfalls köstlich die Lammhüfte mit frischen Pfifferlingen und geschmortem Fenchel (17,50 Euro). Zu allem gibt der 2003er Cabernet Merlot von Cape Mentelle (46 Euro) sein Bestes und vielleicht ist es die frische Minznote dieses Westaustraliers, die uns ins nächste Abenteuer treibt. "Aprimatenkaltschale" für 7,50 Euro lockt in der Rubrik Dessert und beim letzten Schluck Rotwein fantasieren wir munter von klerikalen Süppchen jeglicher Art. Natürlich steht die "Aprimatensuppe" für die Komposition aus Aprikose und Tomate, denn das Rezept sieht eine Blondorange (Jaffa), getrocknete und frische Aprikosen, gelbe Tomaten, Purpurbasiklium, Salz und Pfeffer vor. Das schmeckt insgesamt hervorragend und auch die frischen Erdbeeren in Balsamicoreduktion (8,50 Euro) haben uns gut gefallen. Als die aufmerksame und stets freundliche Kellnerin die Rechnung bringt stehe ich kurz vorm Herzinfarkt. Wo bitte ist mein Portemonaie? Es ruht, wie sich kurz darauf herausstellt, seit drei Stunden friedlich und vor allem unangetastet im Korb meines Fahrrades vor dem Lokal. Überflüssig zu erwähnen, dass meine Bronchien zwei Tage später genauso dicht waren wie die von Johannes. Eine gute Fügung des Schicksals hat eben ihren Preis.

Von den zuweilen wichtigen Momenten am Harburger Hafen ...

Gastro-Tip: Das Restaurant "Momento di"

Artikel erschienen am Sa, 8. Juli 2006 in DIE WELT Hamburg

Momente scheinen keine Ahnung davon zu haben, wie wichtig sie zuweilen sind." Zu Recht führt das "Momento di" am Harburger Hafen seinen Leitspruch. Um Viertel nach acht erfahren wir am Harburger Rathaus, daß jetzt leider kein 153er Bus mehr fährt, und erinnern uns an den Moment der Tischreservierung, als Signoretta Angela eben diese Linie zur Anfahrt nannte. Und als wir um neun müden Fußes das Lokal erreichen, hatte der Moment, in dem der Taxiruf Harburg einen Wagen zum S-Bahnhof versprach, auch an Glanz verloren. Doch als uns ein freundliches Wesen vorbei an großflächigen Schwarzweißaufnahmen italienischer Weinbauern durch das schöne Lokal auf die Terrasse geleitet, ist die Odyssee schnell vergessen.
Beim Sonnenuntergang über den Hausbooten im Kanal freuen wir uns auf Antipasti "Momento di" (15 Euro). Die bestehen aus Büsumer Krabben auf Pumpernickel mit zuviel Knoblauch, einer Jacobsmuschel an Avocadosalat und Tomatenwürfeln in feiner Zitronenmarinade, einem Täßchen Gurkensuppe mit kräftigem Räucheraal und viel zuviel Dill, einem knackigen Scampo auf harmonisch mit Honig abgestimmtem Wokgemüse, Carpaccio mit ordentlich Trüffeln, Parmesan und etwas zu mayonnaiselastigem Dressing sowie köstlichem Tafelspitz auf Karottengemüse.
Als Zwischengericht empfehlen sich hausgemachte Casarecci mit Spargel, Scampi und Spinat (9,50 Euro). Deren hervorragende Konsistenz und die feinen Aromen der Sahnesauce trösten darüber hinweg, daß sie mit den Vorspeisen kommen. Die leckere Barbarie-Entenbrust auf Pfefferkirschen (17 Euro) hätte rosagebraten und ohne Parmesangratin auf dem geschmortem Chicorée besser geschmeckt.
Rosig dagegen der kurzgebratene, mit Honig und Limone glasierte Thunfisch auf Wokgemüse (18 Euro). Zu allem schmeckt der frische Ribolla Gialla (Friaul, 24,50 Euro) aus der übersichtlichen, vorwiegend italienischen Weinkarte. Dreierlei Fruchtsüppchen mit Eis (5 Euro) und eine herrliche Crème Brûlée mit frischer Ananas und Zitronenthymian (6 Euro) kommen mit insgesamt vier Löffeln. Unser Favorit: Schokolade auf Birne, gefolgt von Himbeerjoghurt und Zitronensorbet mit Pfirsich. Zum Espresso ordern wir schon mal die Rechnung. Wer weiß, ob die Bahn nicht einen Moment früher fährt als geplant.

"Momento di", Veritaskai 3. Telefon: 040/76 75 55 94. Mo.-Fr. 12-23 Uhr, Sa. 18-23 Uhr.

Franco, Eppendorfer Landstraße 74

(Ausgehen in Hamburg, Herbst 2006)

Wo bitte ist "Franco" fragt mich Hendrik, als ich ihn dorthin zum Essen bestelle. Die Tatsache, dass der in Eppendorf ansässige Weinkenner das Lokal nicht kennt spricht Bände. Hendrik legt mehr Wert auf Geschmack als Publicity und die Mutter seiner Tochter ist schlicht zu jung für den Eppendorfer-Schranzen-Stammtisch. Warum wir trotzdem darüber schreiben? Nun, weil eben tout Eppendorf dort auf der Straßenterrasse sitzt und Prosecco und Gambas degoutiert. Zum Auftakt gibt's ein leckeres Bruschetta mit eingelegten Oliven und ein Fläschchen San Pelligrino (4,60 Euro). Nicht nur in Italien ist an diesem Sommerabend sehr, sehr warm. Die Weinkarte verzeichnet nur wenige Positionen und Kellner Davide empfiehlt einen "bei diesem Wetter sehr beliebten Weißen", offenen Sizilianer. Hendrik nimmt gerade seine alkoholfreie Woche, das ist der Profitrinker seiner Leber wenigstens einmal im Jahr schuldig. Die Flasche ist fast leer als Davide mein Glas eingeschenkt hat und bereits der Geruch daran lässt nichts Gutes vermuten. Über den Geschmack wollen wir den Mantel des Schweigens hüllen. Der Wein hat definitiv Korken. Davide freut sich, dass wir ihn darauf aufmerksam machen und bringt sofort eine neue Flasche. Die übrigen Weißweintrinker im Lokal nuckeln vermutlich brav weiter an der ungenießbaren Brühe für 4,50 Euro. Uns schmecken die gegrillten Baby Calamari auf Salat sowie der marinierte Octopus (je zehn Euro), der leider auf wenig grünem Spargel und zu viel Sellerie gebettet wurde. Die Ente mit Sommergemüse (15,50 Euro) bestellen wir rosig. Die Haut ist knusprig, das Fleisch leider durchgebraten und die frischen Zuckerschoten, Karotten und Kartoffeln dazu wurden mit ranzigem Öl übergossen. Die Dorade im Ganzen (17 Euro) badet ebenfalls in dem übel riechenden Fett, was die Gaumenfreuden geringfügig mindert. Mit unserem Kaffee lässt sich Davide über 20 Minuten Zeit. Zu aufreizend lockt das lässig an der Bar lehnende blonde Weib. Statt etwas Gebäck zum Cappuccino (2,60 Euro) offeriert Davide einen Absacker. Sambuca? Sehr gern. Es ist spät geworden und ein smarter Typ am Nachbartisch preist seine Apartments auf Sylt. Hendrik erzählt von seinem neuen Kellnermesser und der süßen Tochter. Vielleicht wird er ihr in zwanzig Jahren einmal von Franco erzählen. Ihren Wein wird Sie aber vermutlich woanders trinken.

Il Vagabondo, Bahrenfelder Straße 242

(Ausgehen in Hamburg, Herbst 2006)

Il Vagabondo übersetzt das gemeine Wörterbuch mit "Der Landstreicher" aber irgendwie will das gemütliche Lokal mit den rostroten Wänden, dem schönen alten Buffetschrank und Meerbauparkettboden diesem Image nicht gerecht werden. Gut, der Chef trägt manchmal einen Dreitagebart. Aber davon abgesehen geht es in dem Restaurant mit dem kleinen Garten neben der "Fabrik" eher bodenständig zu. Am 12. Mai 1999 eröffnete Riccardo das Lokal und schon damals überzeugte er mit viel Service und einem großartigen hausgemachten Pesto mit wenig Salz auf Petersilienbasis. Das kommt mit Oliven, Kapern und köstlichem Brot kurz nach unserem Eintreffen an den Tisch und bei einem ordentlichen Chardonnay für 7,70 Euro (halber Liter) studieren wir die handgeschriebene Karte auf der Schiefertafel. Die Antipasti bieten Klassiker wie Vitello Tonnato, Carpaccio mit frischen Trüffeln und Octopus mit lauwarmem Kartoffelsalat. Wir nehmen die Calamaretti auf marinierten Artischoken (9,50 Euro) und den gratinierten grünen Spargel und freuen uns, dass Riccardo seiner Maxime treu geblieben ist: gute Qualität zum günstigen Preis. Der Loup de Mer (16,90) kommt im Ganzen und ist nur mit Mühe zu schaffen, kross und saftig erfreut das Filet mit Gemüse meinen Begleiter. Die "Creme Brûle" heißt hier "Crema bruciata", was soviel bedeutet wie verbrannte Creme. Sie kostet 5,40 Euro, schmeckt köstlich und lebt unter einer flambierten Zuckerschicht. Zum doppelten Espresso (drei Euro) bringt Riccardo gebrochene Schokoladenstücke. Herrlich. Der Vagabund hat eine Heimat gefunden und wir kommen auch nach sieben Jahren gerne wieder.

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