Weinwirtschaft Heft 11 / 2013

Südsteiermark: Die neue Winzer-Generation

 


Sie sind maximal Ende 20, engagiert und hoch motiviert. Und sie haben ein großes Erbe angetreten. Die jungen Winzer aus der Südsteiermark setzen voll auf Sauvignon Blanc, aktuell auf knapp 20 Prozent der Flächen die stärkste Sorte der Region. Sie kämpfen für ihre Region und für die Sorte. Schließlich gilt es, sich nicht nur regional, sondern auf dem internationalen Markt zu behaupten.


Das wichtigste Potenzial, da sind sie sich einig, ist die Herkunft und der einzigartige Geschmack. Neuseeland und die Loire haben schließlich auch ihr eigenes Profil. Und so stehen auch die Weine aus der Südsteiermark für Eigenständigkeit und Einzigartigkeit im Geschmack. „Genau das ist unser bestes Verkaufsargument“, erklärt Armin Tement. Anfang März präsentierte er seine Weine gemeinsam mit den Weingütern Gross/Ratsch, Lackner Tinnacher, Erich & Walter Polz sowie dem Sattlerhof in Berlin einem ausgesuchten Publikum. „Bei den Mengen, die wir Produzieren können wir uns natürlich keine internationalen Verkostungen leisten wie es bei Cloudy Bay zum Beuspiel üblich ist“, erläutert der 27jährige. Also setzt er mit seinen Kollegen auf punktuelle Vermarktung und Präsentationen im kleinen Kreis und gibt zu: Die Journalisten sind als Meinungsmacher keinesfalls zu unterschätzen.

Apropos Kollegen: Die Konkurrenz aus den eigenen Reihen, im konkreten Fall der Steiermark vom Hügel gleich nebenan, belebt das Geschäft. Denn es gilt, eine Region und eine Qualität aufzubauen und zu vermarkten. Und das geht nun mal nur gemeinsam. Die Eltern haben es schließlich auch so gehalten und mit der Anlage der Weinberge und Auswahl der Sorten den fruchtbaren Grundstock gelegt. So setzt neue Generation alles daran, ihre Philosophie der Weinbereitung gemeinsam zu verbreiten. „Das Wichtigste“, so Tement, „ist ja erst einmal, dass die Leute wissen, dass es uns gibt!“

Um den regionalen Charakter der Weine am Markt zu positionieren, gilt es, sich mit den Marktführern zu messen, wissen Hannes Gross, Kati Tinnacher und Alex Sattler. Schließlich hat sich die Steiermark vor 20 Jahren dazu entschieden, den Sauvignon zur wichtigsten Rebsorte zu machen, „also müssen wir für die Sorte kämpfen“, so Tinnacher. Die meisten der jungen Produzenten setzen dabei vorwiegend auf eigene Trauben. Wird dazu gekauft, geht der Wein, wie der „Temento“, unter einem separaten Label auf den Markt.

Das war in den Boomjahren um die Jahrtausendwende, als das Wachstum der Eigenflächen mit dem Tempo des steigenden Absatzes nicht ganz Schritt halten konnte, noch anders. Inzwischen ist die Expansion verdaut, die Eigenflächen entsprechend gewachsen, in einigne Fällen wurde die Produktion auch freiwillig gedrosselt, so wie bei Gross.

Der erfolgreichste Exportmarkt für die jungen Steierer ist Deutschland. Tement etwa setzt gut 100.000 Flaschen, also 25 Prozent der Gesamtproduktion, hier ab, Lackner Tinnacher zwischen zehn und 15 Prozent. Mit Endverbraucherpreisen, die je nach Qualität zwischen 12 und 40 Euro liegen, kommen diese Winzer aus mit gezielter Vermarktung gut an. Sie setzen auf den gehobenen Weinhandel oder gehen direkt in die Gastronomie.

Am Ende des Tages überzeugen die frischen aber keineswegs grasigen Sauvignons aus der Südsteiermark im Vergleich mit dem weltweit erfolgreichsten Verkaufsschlager von Cloudy Bay (30 bis 35 Euro) durch Mineralität, filigrane Aromen, Terroir und vor allem Varianz in den Jahrgängen. Der im Stahltank ausgebauter Sauvignon aus Marlborogh liefert Jahr für Jahr ein industriell gefertigtes Spitzenprodukt. Die angesagten Franzosen wie Smith Haut Lafitte, Didier Dagueneau oder H. Bourgeoise oder Luxusweine von Domaine de Chavalier (der sauvignon Blanc 2010 kostet um 120 Euro in der Subskription) sowie Malartic Lagravier (80 Euro EVP) präsentierten sich durchaus zugänglich, zeigen beim Einsatz von Holz jedoch zum Teil eine deutlich andere Ausrichtung.

Neuholzexzesse gab es auch in der Südsteiermark zuhauf, diese wurden jedoch bereits vor zehn Jahren ad acta gelegt, um das eigene Profil zu schärfen. Dies ist gelungen, und eines zeigt die Auswahl der präsentierten internationalen Weine sehr deutlich: Die junge Genration der Steirer misst sich selbstbewusst mit der internationalen Spitzenklasse.

 

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